Lächelnd verließ Orson Wyt den Laden, den er vor fünf Stunden das erste Mal betreten hatte. In seiner Tasche befand sich eine neue Waffe, die er für viel Geld erstanden hatte. Es war eine Beretta Modell 92, von 1976.

Die Verhandlungen mit dem Geschäftsinhaber waren hart und langwierig gewesen. Schließlich hatte Wyt aber den Preis um satte 500 Credits herunterhandeln können. Er war mächtig stolz auf sich und seinen nun vervollständigte Sammlung. Summend bestieg er seinen Gleiter und flog davon.

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Ein großer hagerer Mann betrat ein anonymes Wohngebäude. Er fuhr mit dem Lift in den 30.Stock hinauf, präparierte die Aufzugstüre und gelangte in ein Appartement, indem er den Türcode mit Hilfe eines Taschencomputers knackte. Dann setzte er sich in einen der Clubsessel im Wohnzimmer, zog ein Dreibeinstativ aus seinem Koffer, stellte ihn vor sich auf und schraubte einen computergesteuerten Blaster auf die Halterung. Er richtete die Mündung auf die Eingangstüre und genehmigte sich dann einen Drink aus der Hausbar.

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Müde kehrte Orson Wyt von seinem letzten Auftrag zurück. Erschöpft kletterte er in den Fahrstuhl und fuhr nach oben.

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Als sich die Lifttüre öffnete, erwachte der Computer–Blaster zum Leben. Auf einem kleinen LCD-Bildschirm leuchteten verschiedene Symbole auf, als ein leiser Signalton erscholl.

Der Mann wachte von diesem Ton auf und reckte sich. Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, daß er bereits seit 13 Stunden wartete. Mit einer Handbewegung überprüfte er die Energiezufuhr der Waffe und begab sich ins Schlafzimmer. Ein Druck auf seiner Fernsteuerung machte den Blaster feuerbereit.

Die Türe öffnete sich und Orson Wyt stand im Rahmen. Als er das Dreibein mit dem Blaster sah, riß er seinen Drummer aus dem Holster. Doch der Computer hatte bereits auf ihn reagiert.

Er hatte seine Waffe noch nicht einmal halb herausgezogen, als der Blaster feuerte. Sein Holster wurde zerfetzt und seine Waffe in eine Ecke des Raumes geschleudert. Bevor Wyt noch irgendeine andere Bewegung machen konnte, schoß der Blaster erneut. Er wurde an der Hüfte getroffen und gegen das Türblatt geschleudert, sackte daran zu Boden, als sich der Fremde an der Schlafzimmertüre zeigte.

Er trat neben Wyt, ohne sich um die automatische Waffe zu kümmern, die ihn auch zu ignorieren schien.

„An ihrer Stelle würde ich mich nicht bewegen, sonst macht der Computer Hackfleisch aus ihnen!“
„Was wollen sie?“ fragte Wyt verärgert.
„Ich soll sie nur zur Strecke bringen. Aber schön langsam. Der Computer wird alles aufzeichnen. Er hat eine Zeitschleife, also alle fünf Minuten ein Schuß. Und sollte der mal nicht treffen, dann feuert er so lange, bis er trifft. In einer Stunde sollten sie hinüber sein, dann schaue ich wieder vorbei.“

Der Fremde wandte sich um. Bevor er die Türe zum Schlafzimmer schloß, sagte er noch:
„Übrigens! Tot stellen nützt ihnen nichts. Der Computer hat einen eingebauten Bio-Scanner. Gute Nacht.!“

Mit einem leisen Klicken schloß sich die Türe hinter ihm.

Mühsam richtete sich Wyt auf und schleppte sich zu einem der Clubsessel. Die Mündung des Blasters folgte ihm, leise surrte ein Elektromotor.

Ausrechnet ein Blaster, dachte Wyt. Seine Durchschlagskraft war unheimlich hoch und zudem verursachte er eine Überreizung des Nervensystems, so daß seine Schüsse höllisch schmerzhaft waren. Dadurch wurde der getroffene Körper nicht nur gepeinigt, er erzeugte auch eine lähmende Wirkung auf die Muskeln. Das spürte er noch jetzt, fünf Minuten nach dem ersten Schuß.

Fünf Minuten! Wyt sprang auf, da schoß der Blaster ein weiteres Mal. Mit ungeheurer Wucht wurde er über den Sessel geschleudert, als der Strahl ihn an der Schulter traf. Ächzend blieb Wyt auf dem Teppich liegen.

Er mußte an seinen Drummer kommen!

Langsam schleppte er sich in die Ecke des Wohnzimmers, wo seine Waffe lag. Seine Rechte packte sie und hob sie mühsam hoch. Seine Arme schienen aus Watte zu bestehen, nach nur zwei Treffern. Aber er hatte nicht mit dem Blaster–Programm gerechnet. Als er den Strahler packte, gab der Blaster einen Schuß ab. Der grelle Strahl durchbohrte sein Handgelenk und schleuderte die Waffe fort.

Wyt sprang hinter die Couch in Deckung und wartete. Sein Geist schien sich langsam zu umnebeln vor Schmerzen. Wieder feuerte die Teufelswaffe. Der Energiestrahl durchbohrte die Polsterung wie Butter, verbrannte den Holzrahmen und traf Wyt knapp neben der Wirbelsäule, in Höhe der Nieren.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht kroch er auf das Dreibein zu. Er versuchte es umzustoßen, doch er bekam einen äußerst starken Stromstoß verpaßt. Halb betäubt wurde er zurückgeschleudert und spürte auch nicht den vierten Schuß, den der Blaster abgab. Seine Nervenbahnen waren zu überreizt von dem Stromschlag.

Als er schließlich die Augen wieder aufschlug, lag er nur einen Meter von dem Stativ entfernt auf dem Boden. Angestrengt versuchte er seinem Geist wieder auf Touren zu bringen. Er mußte eine Lösung finden und zwar verdammt schnell. Wenn er versuchte den Raum zu verlassen, würde der Computer wieder schießen, vor der Zeitspanne von fünf Minuten. Das Modell, mit dem der Blaster gekoppelt war, war eines der neuesten, fiel Wyt plötzlich auf, als er auf den kleinen schwarzen Kasten unterhalb der Waffe starrte. Vielleicht...?

Wieder feuerte der Blaster.

Keuchend kam Wyt auf die Beine und faßte in die Tasche. Das kühle Metall der Beretta erfassend ließ er sich fallen, riß sie heraus und schoß. Der Knall der alten Feuerwaffe ließ ihn zusammenzucken, hallte laut von den Wänden wieder. Doch er gab noch zweimal Feuer und spürte die alte Waffe in seiner Hand rucken.

Eine der Bleikugeln durchschlug den Computer, die anderen rissen das Dreibein zu Boden. Ächzend wälzte sich Wyt herum und zielte auf die Schlafzimmertüre.

Das Blaster-Programm war so neu, daß es die alte Feuerwaffe nicht als solche eingestuft hatte und dementsprechend auch nicht darauf reagiert hatte.

*****

Der Killer erwachte ruckhaft aus seinem Schlaf. Was hatte ihn geweckt? Das laute Krachen erklang erneut. Erstaunt öffnete er die Schlafzimmertüre. Sein Opfer konnte es kaum sein, da der Computer ihm kaum eine Chance lassen würde. Was er sah, verwirrte ihn daher vollkommen.

Das Dreibeinstativ lag verbogen auf dem Teppich, der angeschlossene Minicomputer zerfetzt und dicht daneben lag Wyt und zielte mit einem schwarzen Metallding auf ihn. Als der Killer das Ding endlich als Waffe erkannte, war es bereits zu spät für ihn. Den Knall noch in den Ohren, wurde er mit unwiderstehlicher Gewalt von den Beinen gerissen. Er krachte gegen das Pneumobett und betrachtete irgendwie erstaunt das riesige Loch in seiner Brust, aus dem ruckartig ein gewaltiger Blutschwall gepumpt wurde. Dann wurde es für immer Schwarz vor seinen Augen.

*****

Mit letzter Kraft schleppte sich Wyt zum Visiophon und rief im FTA–Hauptquartier an. Dann wurde auch ihm Schwarz vor Augen. Aber er befand sich nicht auf der langen Reise ins unendliche Nichts, sondern nur in tiefer Bewußtlosigkeit.

ENDE

© 1980 by Ralf »Searge« Pappers
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