Eine TNG Story


Der Weltraum. Unendliche Weiten. Auf dem samtschwarzen Hintergrund leuchteten abertausende, funkelnde Brillanten, zogen den Blick magisch an und verzauberten den jungen Mann, der vor dem Panoramafenster in Ten-Forward stand und in die unendliche Schwärze dort draußen hinaussah.

Was für ein Gefühl mußte es wohl für die Männer und Frauen gewesen sein, die diesen Anblick vor wenigen Jahrhunderten zum ersten Male erblickt hatten?

Ein Schauer lief über seinen Rücken! Ein sehr angenehmer Schauer! Genau so einer, den ein kleiner Junge damals empfunden hatte, als er nach jahrelanger Dunkelheit zum ersten Mal den Visor aufgesetzt hatte und seine Umwelt nicht durch Tasten, Riechen und Schmecken erfahren hatte, sondern durch seine eigenen Augen.

Ein tiefer Seufzer hob sich aus seiner Brust, füllte sein Wesen, sein Sein mit angenehmer Wärme an. Vorbeizischende Sterne zogen einen Lichtstreifen für Sekundenbruchteile hinter sich her, bedingt durch den Warptransfer, und verschwanden im unendlich scheinenden Schwarz des Weltraums.

Oft stand er hier, allein, und betrachtete die "Welt" dort draußen. Manchmal stellte er sich vor, selber das Raumschiff zu sein. Das "Pumpen" des Warptriebwerkes, das Herz des Schiffes, dieses leise Vibrieren, das ihn ständig an Bord der Enterprise begleitete, würde seine Brust durchströmen und ihm Sicherheit und Stärke verleihen. Und er würde durch die grenzenlose "Leere" rasen, sich an dem überlichtschnellen Dahingleiten berauschen. Die vorbeihuschenden Sterne und Planeten wie einen warmen Wind auf seiner Hülle spüren, die wechselnden Gravitationsschwingungen der Sonnensysteme in sich aufnehmen und einfach nur das Gefühl des Seins genießen.

Mußte das herrlich sein, dachte er.

Eine zaghafte Hand legte sich auf seine Schulter.

"Alles in Ordnung, Geordi?" fragte eine besorgte Stimme.

Der junge Mann tauchte aus seiner Versunkenheit auf und blickte auf die Frau, die neben ihm stand. Er lächelte sanft.

"Vollkommen, Diana! Ich fühle mich wunderbar!"

Er schwieg für einen Moment, blickte hinaus in die funkelnde Schwärze. Hätte er normale Augen, wie die meisten an Bord gehabt, so hätte Diana Troi sicher ein Aufleuchten in ihnen feststellen können. Doch auch so schien es ihr, als hätte der Visor freudig und wohlig zugleich aufgeblitzt.

"Ich liebe es hier zu stehen und nach da draußen zu schauen!" sagte er leise. "Es ist gerade so, als würde meine Seele "auftanken", neue Energie in sich aufsaugen, gespeist durch dieses unendliche Weite. So, als würden all diese Sterne mir ihre Kraft entgegenschleudern und ich müßte sie einfach nur auffangen und in mich aufnehmen. Es ist schön!" Seine Stimme klang leise, sanft und doch auch voll innerer Kraft und Ausgeglichenheit.

Geordi atmete einmal mehr tief durch, den Blick weit hinaus gerichtet.

Diana nickte stumm, lehnte sich für einen Moment an seine Schulter.

"Ich verstehe!" sagte sie sanft, berührte Geordi noch einmal leicht am Arm, um seine Empfindungen mit ihm zu teilen und ging fort.

"Ja!" murmelte er. Versonnen betrachtete er die vorbeihuschenden Lichter, dann straffte er die Schultern. Mit einem kurzen Blick auf die Borduhr über der Bar, kehrte er aus seinem Sternentagtraum in die Wirklichkeit zurück.

"Die Arbeit ruft!" sagte er, mehr zu sich selbst, wie es so viele Menschen tun, wenn sie aus einem angenehmen, wohligen Traum auftauchen.

Mit einem freundlichen Nicken zu Guinan, stellte er sein Glas auf die Theke und verschwand durch die Eingangstüre.

ENDE

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