Ich wurde von einem Geräusch geweckt. Nur langsam sickerte die Wirklichkeit in mein schlaftrunkenes Hirn. Im Nacken spürte ich einen harten Druck und ich versteifte mich unwillkürlich. Aber es war nur mein Sattel und langsam fand ich in die Wirklichkeit zurück.

Ohne die Augen zu öffnen, versuchte ich mich zu orientieren. Die warme Decke war ein wenig von meinen Schultern gerutscht, der Hut lag neben mir und ich lag auf dem Rücken.

Was hatte mich geweckt? Da, da war es wieder. Ein leises schleifendes Geräusch, eines schweren Körpers, der über den Boden glitt.

Indianer, schoß es mir blitzartig durch den Kopf. Aber nein, wenn das wirklich Indsman wären, wäre ich bereits tot und weilte nicht mehr unter de Lebenden. Das, was sich da anzuschleichen versuchte, waren Stümper.

Gleichmäßig atmete ich weiter und tastete unter der Decke nach meinem Colt, den ich am Abend neben mich gelegt hatte. Mit eine sicheren Gefühl glitt der Griff meines 45ers in meine Hand. Unendlich langsam spannte ich den Hahn. Jetzt nur kein verdächtiges Geräusch machen.

Durch die geschlossenen Augenlieder konnte ich den schwachen Schein des heruntergebrannten Lagerfeuers spüren. Ein Holzscheit knackte. 'Meine Chance', dachte ich und spannte den Hahn durch, betete gleichzeitig, das der Anschleicher das doppelte Klicken nicht gehört hatte.

Da, wieder das schwache Geräusch eines sich bewegenden Körpers. Diesmal von der anderen Seite, wo ich lag. Das waren wirklich Stümper, dachte ich angespannt. Jetzt weiß ich, daß es mehrere Männer sind und von wo sie kommen. Ich drehte mich leicht nach Links, den Geräuschen zu, den Griff fest um den Colt gelegt. Im entscheidenden Moment mußte alles schnell gehen, wollte ich nur die geringste Chance gegen den unsichtbaren Feind haben.

Angespannt lauschte ich mit allen Sinnen in die Dunkelheit. Dort ein leichtes Knacken, da ein fast unhörbares Geräusch einer Stimme. Fast direkt vor mir, war Nummer 1 auszumachen und ich machte mich bereit.

Meine aufmerksamen Ohren fingen einen schweren Atmer in meiner unmittelbaren Umgebung auf. Das war er, der Moment der Entscheidung! Ich riß die Augen auf. Gegen den dunkelroten Schein des fast völlig heruntergebrannten Feuers, machte ich einen schattenhaften Umriß aus. Mit einer fließenden Bewegung richtete ich den 45er unter der Decke in diese Richtung und drückte ab. Dumpf knallte der Schuß unter dem dichten Stoff hervor. Der Schatten schrie kurz auf, rief etwas und stürzte, wie von einer unsichtbaren Faust gepackt, rücklings zu Boden.

Kaum hatte ich den Abzug durchgezogen, schlug ich die Decke zurück, rollte mich flink nachts rechts um die eigene Achse und legte den Colt in die andere Richtung an. Und richtig, kaum war der erste Schatten zusammengebrochen, brach aus dem Gebüsch ein weiterer hervor und machte zwei Schritte in meine Richtung. Mein Colt bellte zweimal kurz hintereinander, die Mündungsblitze zuckten durch die Dunkelheit, ein Schrei und der Schatten lag zu einem wirren Knäuel zusammengebrochen am Boden.

Der erste Angreifer wimmerte leise und versuchte sich von der Asche und Glut des Lagerfeuers fortzubewegen. In der Dunkelheit konnte ich am Waldrand zwei weiße, kleine Punkte ausmachen. Ein dritter Mann lag dort auf Lauer. Ich zielte in seine Richtung und drückte ein weiteres mal ab. Der Schuß peitschte durch die Dunkelheit. Kaum war der Mündungsblitz verklungen, lag ich auch schon in einer neuen Deckung, hinter einem Baum verborgen.

'Vier!' zählte ich in Gedanken die abgeschossenen Patronen nach. Die weißen Punkte waren ohne ein Geräusch verschwunden. Schnell wechselte ich die Waffe in die andere Hand und warf die leeren Hülsen aus der Trommel. Mit einem weiteren Griff an den Gürtel, hatte ich vier neue Patronen aus den Schlaufen gezogen, einen sichernden Blick in die Runde geworfen und den Colt nachgeladen.

Von dem dritten, oder weiteren Angreifern, war vorerst nichts zu entdecken. Ich erhob mich in eine duckende Stellung und rannte barfüßig nach Links, um so meinen Lagerplatz zu umrunden und in den Rücken der Anderen zu gelangen. Nach drei, vier schnellen Schritten zuckte plötzlich ein stechender Schmerz durch meinen rechten Fuß. Ich biß die Zähne zusammen um nicht aufzustöhnen und mich zu verraten. Vor mir lichtet sich das Gebüsch und die Reste der glimmenden Glut meines Lagerfeuers, warfen einen matten Schein auf eine am Boden liegende Gestalt.

War der Mann tot? Nichts rührte sich. Mit zusammengekniffenen Augen zielte ich und jagte eine Kugel in Richtung seines Kopfes. Direkt auf das Donnern des Schußes, vernahm ich das dumpfe Klatschen eines Projektils in weiches Fleisch. Der Schatten rührte sich nicht. Ich schlich näher und stieß ihn mit dem Fuß an, den Colt schußbereit in seine Richtung haltend. Schmerz zuckte durch mein Bein. Undeutlich sah ich dunkle Flecken auf dem Boden. Dieser hier würde niemals wieder jemanden überfallen!

Humpelnd wendete ich mich wieder meinem Lagerplatz zu. Der zweite Angreifer war ebenfalls tot und der Boden unter ihm wies auch dunkle Flecken auf. Ich überzeugte mich schnell, daß dieser mir auch nicht mehr gefährlich werden konnte und schritt dann auf den ersten Angreifer zu.

Der Mann stöhnte leise und versuchte schwach vom heruntergebrannten Feuer fort zu kommen. Mit der Linken nahm ich einen Holzscheit vom Rand und stocherte in der Glut herum, damit er Feuer fing. Im flackernden Licht der Fackel, konnte ich ihn jetzt deutlicher erkennen. Es war ein Mexikaner. Seine dunklen Augen sahen mich schmerzerfüllt und ängstlich an. Er lag zusammengekrümmt vor mir und bedeckte mit beiden Händen seinen Bauch.

"Wer bist du?" fragte ich leise. Ein Schwall an mexikanischen Worten kam aus seinem Mund, immer wieder von schmerzhaften Pausen durchbrochen.

"Sprichst du englisch?" wollte ich wissen.

"Si..." war seine leise Antwort.

"Warum habt ihr mich überfallen? Und wie viele Männer seid ihr? Ich habe zwei Schatten davonrennen sehen."

Ein erneuter Schwall mexikanischer Worte kam keuchend aus seinem Mund. "Miguel und Antonio werden zurückkommen", flüsterte er schließlich schwach. "Wir dachten, leichte Beute, (??? was Mexikanisches). Nur ein einzelner Amigo!" Er stöhnte schmerzerfüllt auf. "Oh Madre dios, es coja bravo...." Seine Stimme verstummte, dann lag er still. Ich stieß ihn mit dem Fuß an und ein stechender Schmerz schoß durch mein Bein.

"Mistkerl!" fluchte ich laut und steckte meinen 45er zurück ins Holster. Ich steckte die Fackel in den Boden, setzte mich und sah mir endlich meinen Fuß genauer an. In den Nähe des großen Zehs steckte ein großer Dorn. Vorsichtig packte ich ihn mit der Linken, atmete einmal tief durch und riß ihn dann aus dem Socken. "Au!" rief ich laut und zerrte den Socken vom Fuß. Blut tropfte aus einem relativ großen Loch und versickerte im Sand. Fluchend zog ich mein Taschentuch aus der Hosentasche und drückte es auf die blutende Stelle.

Eine Zeit lang saß ich so vor dem inzwischen verloschenen Lagerfeuer, blickte blicklos auf die tanzenden Schatten des Toten Mexikaners, die die Fackel warf.

'Was für eine Nacht', dachte ich schließlich. Ich warf einen Blick auf die dornenverletzte Fußsohle. Die Blutung hatte aufgehört. Sicherheitshalber wusch die die Wunde mit ein wenig Wasser aus meiner Wasserflasche aus, machte ich aus dem Taschentuch einen Verband und zog den Socken wieder an. Dann zerrte ich den Toten in die Büsche zu seinen Kumpanen.

Sollte ich jetzt weiterreiten oder wieder versuchen den Rest der Nacht zu schlafen? Ich entschied mich für letzteres, legte aber den Sattel hinter einen Baum und warf die warme Decke wieder über mich. Und trotz der Aufregung gelang es mir schnell wieder in den Schlaf zu finden.

 


Dazu gibt es auch die Testversion eines Hörspieles:

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